Erbe bildet nachhaltig: Von der konzeptionellen Entwicklung zur praktischen Umsetzung einer nachhaltigen Erbe-Bildung

Erbe-Bildung

Erbe-Bildung, wie sie im Projekt konzeptionell und praktisch entwickelt wird, versteht Erbe als inspirierende Ressource für nachhaltige Zukunftsgestaltung, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sowie lokale und globale Perspektiven miteinander verbinden kann.

Während viele bestehende Bildungsansätze auf Lernen über Erbe oder Lernen für Erbe zielen, soll Erbe-Bildung ein Lernen durch Erbe ermöglichen, das die Zukunft unserer Gesellschaft im Blick hat. Das Potenzial von Erbe-Bildung liegt dabei darin, gemeinsam zu erkunden, welche Bedeutung Erbe für lokale und globale Gemeinschaften hat und welche Möglichkeiten es für die Gestaltung der Zukunft bieten kann. Das Projekt versteht Erbe dabei als Erfahrungsraum für Fragen des Lebens und Zusammenlebens. Dadurch wird Erbe-Bildung mit dem Bildungsanspruch der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) verbunden und zu einer Grundlage, nachhaltige Zukunftsgestaltung aus gelebter Erfahrung heraus zu denken und zu vermitteln.

Interdisziplinäre Perspektiven sowie Partizipation und Mitgestaltung bilden dabei zentrale Prinzipien einer inklusiven und emanzipatorischen Erbe-Bildung. Gleichzeitig ergeben sich Bezüge zur politischen Bildung, etwa in der offenen Auseinandersetzung mit der Frage, wie Menschen heute und in Zukunft zusammenleben wollen und welche Bedeutung sie Erbe dabei zuschreiben.

Projektziele

Das übergreifende Ziel des Projektes ist die Entwicklung und Stärkung der Erbe-Bildung als nachhaltigem Bildungsansatz. Dazu wird ein Konzept der ganzheitlichen und nachhaltigen Erbe-Bildung entwickelt und in einem Praxisleitfaden für Bildungsakteure an Erbestätten aufbereitet.

Ziel des Projekts ist es zudem, Erbe-Bildung stärker mit globalen Bildungsstrategien, insbesondere BNE und transformativer Bildung, zu verzahnen. Gleichzeitig soll das Projekt dazu beitragen, die Potenziale von Erbe für aktuelle gesellschaftliche Diskussionen sowie für nachhaltige Entwicklung und gesellschaftliche Transformation sichtbarer zu machen.

Projektumsetzung

Das Projekt hat eine Laufzeit von zwei Jahren und ist im April 2026 gestartet. Es verfolgt einen partizipativen Ansatz: Akteur*innen von Erbestätten werden in die Konzeption der Erbe-Bildung und die Erstellung des Leitfadens einbezogen, um Relevanz und Praxistauglichkeit bezogen auf die Zielgruppen sicherzustellen.

Ausgangslage und Bedarf

Bildung bildet die Grundlage jeder Verantwortungsübernahme für Erbe. Dennoch sind Reflexion und Entwicklung von Bildungsprozessen im Kontext von Erbe bisher in Theorie und Praxis wenig beachtet worden – insbesondere in Deutschland. Das ist besonders problematisch, da angesichts der Klimakrise und globaler Bedrohungen die Substanz des kulturellen und natürlichen Erbes gefährdet ist und Bildungsansätze ein wichtiges Instrument für dessen langfristigen Schutz darstellen. Zugleich formulieren zentrale internationale Übereinkommen – wie die Welterbekonvention (UNESCO 1972), die Konvention zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes (UNESCO 2003) sowie die Faro-Konvention (Europarat 2005) – explizit Bildungsaufträge.

In der Bildungspraxis dominiert bislang häufig ein klassisches Verständnis von Erbe, das auf materielles Kulturgut und geschichtlich-historische Perspektiven beschränkt bleibt. Fragen danach, welche Bedeutungen Menschen dem Erbe heute zuschreiben, wie es aktuell genutzt oder gelebt wird oder wie es in Zukunft zur nachhaltigen gesellschaftlichen Entwicklung beitragen kann, werden bislang nur wenig thematisiert. Dadurch bleiben auch die Potenziale von Erbe für nachhaltiges, transkulturelles und interdisziplinäres Lernen weitgehend unerschlossen.

Die Entwicklung einer nachhaltigen Erbe-Bildung, die Menschen befähigt, ihr diverses Erbe kritisch zu reflektieren und aktiv für die Gestaltung einer offenen, demokratischen und nachhaltigen Gesellschaft zu nutzen, stellt daher eine gesellschaftliche Leerstelle in Deutschland dar.

In der ersten Phase werden Forschungsstand und bestehende Ansätze zu nachhaltiger Erbe-Bildung erfasst sowie Forschungslücken identifiziert. Parallel dazu werden die Akteur*innen der Erbestätten in den Beteiligungsprozess eingebunden und zu bisherigen Erfahrungen mit Erbe und Nachhaltigkeit in der Bildungsarbeit befragt. Auf dieser Grundlage wird ein erster Arbeitsentwurf für ein Konzeptpapier zur nachhaltigen Erbe-Bildung entwickelt.

In der zweiten Phase wird das Konzeptpapier gemeinsam mit den beteiligten Akteur*innen in Workshops diskutiert und weiterentwickelt. Aufbauend auf dem ersten Entwurf werden konkrete Handlungsstrategien erarbeitet, die auf unterschiedliche Bedingungen und Bedarfe einzelner Erbestätten zugeschnitten sind. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für die Finalisierung des Konzeptpapiers.

Die dritte Phase fokussiert die praktische Umsetzung. Ziel ist die Entwicklung eines praxisnahen Leitfadens für Akteur*innen an Erbestätten, der Orientierung für die Umsetzung von Erbe-Bildung bietet und exemplarische Handlungsempfehlungen integriert. In Workshops werden Struktur, Inhalte und Format des Leitfadens gemeinsam mit den beteiligten Akteur*innen entwickelt. Zum Abschluss des Projektes wird eine Tagung veranstaltet.

Partner

Das Projekt ist transdisziplinär angelegt und verbindet Heritage Studies mit den Bildungswissenschaften. Dieses Zusammenspiel prägt sowohl die theoretische Konzeption als auch die praktische Umsetzung des Projekts.

Das Institut Futur (Freie Universität Berlin) begleitet das Projekt mit seiner Expertise in Forschung und Praxis der Bildung für nachhaltige Entwicklung. Das Zentrum für Gartenkunst und Landschaftsarchitektur (CGL) an der Leibniz Universität Hannover berät insbesondere zur Umsetzung von Bildungsarbeit an Erbestätten und bringt Erfahrungen aus dem DBU-Projekt „Bildung in historischen Gärten“ ein.

Darüber hinaus wird die von der DBU initiierte Arbeitsgruppe „Erbe und Bildung“ kontinuierlich in das Projekt eingebunden. Die Arbeitsgruppe besteht derzeit aus dem IHS, dem Institut Futur und dem Zentrum für Gartenkunst und Landschaftsarchitektur und war bereits maßgeblich an der fachlichen Ausarbeitung des Projektes beteiligt.