Alleinstellungsmerkmal des IHS

Die systematische Konstituierung der Heritage Studies zu einer eigenen Disziplin ist das entscheidende Qualitätsmerkmal, welches das IHS von anderen Heritage Instituten, Konzepten oder von Aus- und Weiterbildungsprogrammen unterscheidet. Das betrifft auch entsprechende Forschungen. Das Alleinstellungsmerkmal der IHS besteht weiterhin in seinem disziplinär und interdisziplinär ausgerichteten Konzept. Es besteht auch in der besonderen Positionierung der Heritage Studies als Beitrag für nachhaltige menschliche Entwicklung im wissenschaftlichen Diskurs, mit dem das IHS den vielfältigen Phänomenen von Erbe gerecht werden kann. Dazu galt es zu klären, welche disziplinären, inter-und/oder transdisziplinären Diskurse in die Heritage Studies zu integrieren sind und welche epistemologischen und methodologischen Präferenzen ihnen zugewiesen werden können und sollen. Das Alleinstellungsmerkmal des IHS liegt deshalb darin, dass es gelungen ist, das Konstrukt Heritage unter den Bedingungen der Globalisierung und ihren Transformationsprozessen zu positionieren und für die damit einhergehenden Herausforderungen Lösungsstrategien bereit zu stellen.

Die Heritage Studies des IHS erweitern das Verständnis und die Perzeptionen von Heritage über die im UNESCO Sprachgebrauch übliche Engführung des Begriffes und positionieren Erbe in seiner Bedeutung für menschliche Entwicklung. Der Schutz und die Nutzung von Erbe verfügen im Verständnis des IHS über das Potential zur Bildung von Identität und damit von Frieden; und genau darin liegt auch das Verständnis von Nachhaltigkeit des IHS. Identität und Nachhaltigkeit setzen Verantwortung für das Erbe voraus und diese wiederum kann nur dann erfolgreich umgesetzt werden, wenn alle mit Erbe befassten Zielgruppen in die Schutz- und Nutzungsprozesse eingebunden sind. Hier schließt sich der Kreis von bisher isoliert betrachteten Ansätzen der Forschung zu Erbe oder ihren Umsetzungen.

Die Heritage Studies der IHS positionieren sich als eine kritische Disziplin, die ihre Forschungsfragen und Themen zwar inter- und/oder transdisziplinär bearbeiten, die sie aber explizit aus den Anforderungen der sich täglich und für die Menschen der Welt unterschiedlich verändernden Lebenswirklichkeiten herleiten. Das beinhaltet zunächst, das Erkenntnisinteresse im Kontext der Vielfalt unserer Welt zu positionieren. Es bedeutet auch, die kulturelle Vielfalt der Welt in den Ansätzen und Methoden der Heritage Studies widerzuspiegeln, ohne beliebig zu werden. Nicht zuletzt bedeutet es, Strategien für die Zukunft bspw. für einen nachhaltigen Umgang mit Erbe zu entwickeln. Mit anderen Worten, es geht nicht um abstrakten Erkenntnisgewinn, sondern explizit darum, die Heritage Studies paradigmatisch für menschliche Entwicklung zu konzipieren.